Neuroregulative Mykotherapie

Neuroregulative Mykotherapie

Grundlagen, Wirkachsen und therapeutische Einordnung

Vortrag auf der Tagung Zukunft Tiergesundheit am 2. November 2025 in Eisenach

Am 2. November 2025 stand auf der Herbsttagung von Zukunft Tiergesundheit in Eisenach das Thema Nervengesundheit im Mittelpunkt meines Vortrags. Im Fokus stand die Frage, wie sich neuroregulative Prozesse biologisch sinnvoll einordnen lassen und welche Rolle Vitalpilze dabei spielen können, wenn man sie nicht als allgemeine Ergänzung, sondern als gezielte therapeutische Werkzeuge versteht.

Netzwerke ohne zentrale Steuerung

Der Titel „Netz ohne Weber“ ist eine bewusste Hommage an Ted Kaptchuks Standardwerk zur Traditionellen Chinesischen Medizin „The Web That Has No Weaver“. Zugleich beschreibt er den gedanklichen Rahmen des Vortrags. Gesundheit entsteht nicht durch zentrale Steuerung, sondern aus Regulation innerhalb komplexer Systeme.

Inhaltlicher Ausgangspunkt ist der strukturelle Vergleich zweier hochkomplexer Netzwerke: des Myceliums und des Nervensystems. Beide Systeme sind dezentral organisiert. Beide arbeiten ohne übergeordnete Leitstelle. Information entsteht aus Verbindung, Rückkopplung und Anpassung. Regulation ersetzt Kontrolle. Diese Perspektive ist kein rein philosophisches Bild, sondern eine funktionale Grundlage für therapeutisches Denken, insbesondere bei chronischen und komplexen Erkrankungen.

Pilze und Neuroevolution – ein gedanklicher Exkurs

Ein kurzer gedanklicher Exkurs galt der sogenannten „Stoned-Apes“-Hypothese. Nicht als evolutionsbiologische Position, sondern als Beispiel dafür, wie stark Pilze historisch, biologisch und neurochemisch mit Wahrnehmung, Verhalten und Anpassung verknüpft sind. Entscheidend ist dabei nicht die These selbst, sondern die grundlegende Erkenntnis, dass Wirkstoffe von Pilzen tief in neuro- bzw. evolutionsbiologische Prozesse eingreifen könn(t)en.

Drei zentrale therapeutische Herausforderungen

Therapeutisch relevant wird das Thema beim klaren Unterschied zwischen peripherem und zentralem Nervensystem. Periphere Nerven besitzen grundsätzlich eine Regenerationsfähigkeit. Sie reagieren sensibel auf Energieversorgung, Entzündungsstatus und oxidativen Stress. Das zentrale Nervensystem ist deutlich restriktiver. Die Blut-Hirn-Schranke ist dabei nur ein Teil des Problems. Hinzu kommen hemmende Signalmechanismen, chronische Neuroinflammation (dauerhafte Aktivierung des zellulären Immunsystems im Gehirn) und ein Milieu, das Regeneration aktiv hemmt.

Neuroregulative Mykotherapie

Daraus ergeben sich drei grundlegende Anforderungen an jede Therapie, die im zentralen Nervensystem wirksam sein soll. Erstens muss die Blut-Hirn-Schranke überwunden oder funktionell umgangen werden. Zweitens müssen intrinsische Wachstumsprogramme reaktiviert werden (also körpereigene Reparatur- und Neubildungsmechanismen). Drittens muss das neuroinflammatorische und oxidative Umfeld so verändert werden, dass Regeneration nicht sofort wieder blockiert wird.

An dieser Stelle setzt das Konzept der neuroregulativen Mykotherapie an. Nicht als Heilversprechen, sondern als biologisch begründeter Ansatz. Im Mittelpunkt stehen Wirkstoffe, deren Effekte in der wissenschaftlichen Literatur gut beschrieben sind und die genau an diesen drei Engpässen ansetzen.

Im Vortrag habe ich vier Vitalpilze als funktionell klar unterscheidbare, aber synergistisch wirkende Kandidaten vorgestellt.

Cordyceps – Bioenergetik und zellulärer Schutz

Cordyceps steht für die bioenergetische Achse. Cordycepin wirkt auf mitochondrialer Ebene, stabilisiert die Atmungskette und unterstützt die ATP-Bildung (zelluläre Energiegewinnung). Gleichzeitig reduziert es oxidativen Stress. In experimentellen Modellen finden sich Hinweise auf eine schützende Wirkung auf die Blut-Hirn-Schranke bei entzündlicher oder traumatischer Schädigung. Klinisch relevant ist Cordyceps vor allem dort, wo neuronale Symptome mit Erschöpfung, Stressphysiologie und systemischer Belastung gekoppelt sind, etwa bei postviralen Erschöpfungssyndromen durch neurotrope Virenstämme wie Borna-, West-Nil- oder SARS-CoV-2-assoziierte Verläufe.
Strikte Kontraindikation: hormonabhängige Neoplasien.

Reishi – Entzündungshemmung im zentralen Nervensystem

Reishi ist primär als entzündungshemmender Pilz einzuordnen. Ganodersäuren und Polysaccharide reduzieren zentrale Entzündungsprozesse und senken neuroinflammatorische Aktivität. Die beobachtete Modulation von Mikroglia (Immunzellen des Gehirns) ist dabei eine Folge dieser Entzündungshemmung, nicht deren primärer Angriffspunkt. Ergänzend wurden neuere Arbeiten zu exosomenähnlichen Nanovesikeln erwähnt, die einen Transport bioaktiver Substanzen über die Blut-Hirn-Schranke ermöglichen könnten. Dieses Feld ist noch experimentell, aber klinisch relevant.

Hericium – Aktivierung neuroregenerativer Programme

Hericium nimmt eine Sonderstellung ein. Der Fokus liegt klar auf Neuroregeneration. Erinacine aus dem Myzel sind in der Lage, die Blut-Hirn-Schranke zu überwinden und die körpereigene Bildung von Nervenwachstumsfaktoren (wie NGF und BDNF) anzuregen. Zusätzlich zeigen sich Effekte auf Remyelinisierungsprozesse, also auf die Wiederherstellung der schützenden Nervenhüllen.
CAVE: Hericium ist kein "pauschal beruhigender Pilz". Er wirkt gerade beim Pferd aktivierend und wachstumsfördernd auf die Nerven. Bei falscher Indikation, zu schneller Dosierung oder fehlender Einbettung in ein regulatives Gesamtkonzept kann es zu Überstimulation kommen. Eine sorgfältige Diagnose, ein konsequentes Einschleichen und therapeutische Begleitung sind hier zwingend erforderlich.

Maitake – Immunologische Steuerung der Mikroumgebung

Maitake wurde als Pilz vorgestellt, der weniger direkt auf Nervenzellen wirkt, sondern vor allem auf das immunologische Umfeld im Gehirn. Zentrale Wirkstoffe wie o-Orsellinaldehyd und bestimmte β-Glucan-Strukturen beeinflussen Immunzellen des Nervensystems, insbesondere die Mikroglia, die eine Schlüsselrolle bei Entzündungs- und Reparaturprozessen im Gehirn spielen.

Unter chronischen Belastungen oder nach Schädigungen befinden sich diese Zellen häufig in einem dauerhaft aktivierten, entzündungsfördernden Zustand. Das kann Nervengewebe zusätzlich belasten und Regeneration verhindern. Maitake wirkt hier regulierend, indem er entzündliche Prozesse dämpft und die Immunreaktion wieder in ein ausgewogeneres, schützendes Gleichgewicht bringt.

Diese Wirkung ist nicht als direkte Nervenregeneration zu verstehen. Maitake fördert kein Nervenwachstum und aktiviert keine Wachstumsfaktoren. Seine Stärke liegt darin, ungünstige Rahmenbedingungen zu reduzieren, die Heilungs- und Anpassungsprozesse im Nervensystem sonst blockieren würden.

Im therapeutischen Zusammenhang wird Maitake daher eingesetzt, um das neuroimmunologische Umfeld zu stabilisieren. Er schafft Voraussetzungen, unter denen andere regenerative Prozesse – körpereigene oder therapeutisch angestoßene – überhaupt wirksam werden können.

Allen vier Pilzen gemeinsam ist eine antioxidative und entzündungshemmende Basiswirkung. Die spezifischen Wirkachsen bauen darauf auf und unterscheiden sich klar in Zielrichtung und therapeutischer Funktion.

Mykotherapie in der therapeutischen Anwendung

Der praktische Teil des Vortrags betonte die Notwendigkeit, Mykotherapie als Prozess zu verstehen. Keine Akutmaßnahme. Kein Schnellversprechen. Eine Therapiedauer von mindestens 90 Tagen dient als Orientierung, mit einem strukturierten Einschleichen über mehrere Wochen. Zur Unterstützung dieser Planung sei auf den Mycelium-Dosierungsrechner verwiesen, der eine tierartspezifische, gewichts- und therapieabhängige Berechnung ermöglicht und vor allem der Strukturierung längerer Therapieverläufe dient.

Kontraindikationen

Klar benannt werden müssen auch Kontraindikationen und Situationen, in denen besondere Umsicht erforderlich ist. Eine strikte Kontraindikation besteht bei hormonabhängigen Neoplasien für den Einsatz von Cordyceps. In diesen Fällen darf Cordyceps nicht eingesetzt werden.

Umsicht walten lassen bei...

Davon zu unterscheiden sind Situationen, in denen Vitalpilze grundsätzlich eingesetzt werden können, jedoch eine sorgfältige individuelle Abwägung, eine angepasste Dosierung und therapeutische Erfahrung erfordern. Dazu zählen Enzephalopathien, Epilepsie, relevante Leber- oder Nierenerkrankungen, Trächtigkeit, die parallele Gabe blutverdünnender Medikamente sowie die Dopingrelevanz im Wettkampfkontext. In diesen Konstellationen handelt es sich nicht um generelle Ausschlusskriterien, sondern um Indikationen für ein besonders umsichtiges Vorgehen.

Fazit & Kernbotschaften

Das übergeordnete Fazit des Vortrags lässt sich auf drei Kernprobleme zurückführen: die Blut-Hirn-Schranke, blockierte Wachstumsprogramme und ein ungünstiges neuroinflammatorisches Umfeld. 

Die vier Vitalpilze adressieren diese Probleme über unterschiedliche, klar unterscheidbare Strategien. Nicht isoliert, sondern im Zusammenspiel.

Vet-Jedi als Denkplattform

Die Folien zu diesem Vortrag veröffentliche ich mit diesem Blogartikel. Sie sind als fachliche Arbeitsgrundlage gedacht und sollen vor allem Therapeutinnen und Therapeuten helfen, neuroregulative Prozesse besser einzuordnen und therapeutische Entscheidungen nachvollziehbar zu strukturieren. Es geht nicht um fertige Lösungen oder schematische Anwendungen, sondern um ein belastbares Denkmodell, das weiterentwickelt werden soll und muss.

Neuroregulative Mykotherapie ist kein einfacher Werkzeugkasten. Sie ist ein Denkrahmen, der biologisches Verständnis, therapeutische Erfahrung und Zurückhaltung verlangt. Gerade im Bereich der Nervengesundheit ist es notwendig, Komplexität auszuhalten, biologische Zusammenhänge ernst zu nehmen und Wirkmechanismen präzise zu benennen.

Vet-Jedi versteht sich in diesem Zusammenhang als offene, fachliche Plattform. Wissen soll zugänglich bleiben, kritisch geprüft werden können und in der praktischen Arbeit weiterentwickelt werden.

 

Abschließend noch die Literaturliste der wichtigsten Studien, die Grundlage dieses Vortrags waren.

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Allgemein: Meine Bezugsquelle, Verabreichung, Therapiedauer & Dosierung

Alle Vitalpilze, die auf dieser Website referenziert oder empfohlen werden, sind über Mycelium Pilzkraft GmbH erhältlich – in geprüfter Bio-Qualität, ohne Zusatzstoffe und mit optimaler Feinvermahlung für hohe Bioverfügbarkeit.

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Verabreichung: Grundsätzlich sollte die Einschleichmethode genutzt werden, bis die Zieldosis über einen Standardzeitraum von 28 Tagen erreicht ist. Falls das Tier bereits problemlos Vitalpilze erhalten hat, kann diese Phase individuell verkürzt werden. Alle weiteren Informationen zur Anwendung findet ihr in diesem Leitfaden der Mycelium Pilzkraft: Link!

Therapiedauer: Eine vollständige Therapie umfasst in der Regel drei Monate, einschließlich der Einschleichphase.

Dosierung: Alle Dosierungshinweise befinden sich auf der Rückseite der Packung oder können mit dem Dosierungsrechner von Mycelium Pilzkraft individuell berechnet werden: Link zu den Dosierungsrechnern

Therapeuten: Falls Ihr einen Therapeuten in Eurer Nähe sucht, schaut auf jeden Fall in der Therapeutensuche der Mycelium Pilzkraft nach: Link hier!

Wichtiger Hinweis des Autors

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Vitalpilze, Akupunktur oder weitere naturheilkundliche Therapien können eine hervorragende Flankierung laufender Therapien sein und sind potente Medizin, die sehr oft auch als alleinige Therapie wirksam sind! 

Aber: das Befolgen von Empfehlungen erfolgt auf eigene Gefahr und in eigener Verantwortung.

Gerade deshalb: Informiere Deinen Therapeuten bitte unbedingt über die geplante Anwendung naturheilkundlicher Praktiken oder Wirkmittel.