Reishi und Herzregeneration
Warum die folgende Studie mehr ist als „nur“ Kardioprotektion
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Das zentrale Problem der Herzmedizin: Verlust ohne echten Ersatz
Herz-Kreislauf-Erkrankungen gehören weltweit zu den häufigsten Todesursachen. Hinter dieser Statistik verbirgt sich ein biologisches Grundproblem, das sich nicht allein medikamentös lösen lässt: Herzmuskelzellen regenerieren sich nicht, sondern gehen dauerhaft verloren. Nach einem Myokardinfarkt (Herzinfarkt, ausgelöst durch eine plötzliche Durchblutungsstörung) sterben Kardiomyozyten ab – also jene Herzmuskelzellen, die für die eigentliche Pumpbewegung verantwortlich sind. Anders als Haut- oder Darmzellen können sich diese Zellen im erwachsenen Herzen kaum erneuern.

Was stattdessen passiert, ist ein Umbauprozess:
- abgestorbenes Gewebe wird durch Narbengewebe ersetzt,
- die Herzwand wird steifer,
- die Pumpkraft nimmt dadurch langfristig ab.

Medikamente können diesen Prozess bremsen und Symptome lindern. Was sie nicht können, ist verlorenes Herzmuskelgewebe ersetzen. Genau hier stößt die klassische Herztherapie an ihre biologische Grenze. Soweit also zur Lehrmeinung.
Seit Jahren versucht die regenerative Schulmedizin, diese Grenze zu verschieben – mit Stammzellen, genetischer Reprogrammierung oder molekularen Schaltern aus der Embryonalentwicklung. Viele dieser Ansätze sind theoretisch faszinierend, praktisch jedoch schwer umzusetzen.
Vor diesem Hintergrund wird eine seit tausenden von Jahren in der Traditionellen Chinesischen Medizin genutzt Substanz interessant, die nicht nur schützt, sondern Regeneration überhaupt wieder denkbar macht. Der Reishi Pilz betritt die Bühne.

Reishi: mehr als ein schützender Begleiter
Reishi (Ganoderma lucidum) ist seit Jahrtausenden bekannt und wird traditionell mit Vitalität, Widerstandskraft und Langlebigkeit in Verbindung gebracht. In der modernen Forschung taucht er häufig im Zusammenhang mit antioxidativen und entzündungshemmenden Effekten auf – also als Substanz, die Gewebe vor weiteren Schäden schützt.
Die Studie von Liu und Kuang aus dem Jahr 2025 - "Screening and characterization of natural extracts as dual-functional regulators for cardiomyocyte regeneration and cardiac repair" - geht einen entscheidenden Schritt weiter. Sie stellt eine andere, deutlich ambitioniertere Frage:
Kann Reishi Prozesse anstoßen, die zur Neubildung funktioneller Herzmuskelzellen führen?
Um das zu untersuchen, nutzten die Forscher ein sehr präzises Labormodell: embryonale Stammzellen der Maus, die mit einem kardiospezifischen Marker ausgestattet sind. Dieser Marker macht Herzmuskelzellen durch rote Färbung sichtbar, sobald sie entstehen – nicht theoretisch, sondern direkt unter dem Mikroskop bzw. mit bloßem Auge erkennbar.
Und genau hier beginnt der Teil der Studie, der selbst für Nicht-Biologen unmittelbar nachvollziehbar ist.

Wenn Stammzellen anfangen zu schlagen
Nach Zugabe von Reishi – in der Studie als wässriger Extrakt eingesetzt, um reproduzierbare Bedingungen zu schaffen – beginnen sich die Zellverbände sichtbar zu verändern. Aus zunächst formlosen Zellhaufen entwickeln sich Bereiche mit klarer Struktur. Nach einigen Tagen geschieht etwas, das man nicht interpretieren muss, weil man es sehen kann: Die Zellen beginnen als "Mini-Herz" zu schlagen.
Nicht vereinzelt, nicht chaotisch, sondern koordiniert und rhythmisch. Mehrere Zellen ziehen sich gleichzeitig zusammen, entspannen sich wieder und folgen dabei einem gemeinsamen Takt. Bis zu neunzig Prozent der untersuchten Zellverbände zeigen diese Schlagaktivität – deutlich mehr als in unbehandelten Vergleichsgruppen.
Dieser Punkt ist entscheidend. In der Herzforschung gilt:
- Ein Proteinmarker zeigt Identität der Zelle.
- Rhythmus zeigt Funktion.
Eine Zelle, die sich im Takt zusammenzieht, verhält sich funktional wie eine Herzmuskelzelle. Sie bleibt so kein theoretisches Konstrukt, sondern ist funktionell aktiv. In diesem Moment wird aus abstrakter Zellbiologie etwas sehr Konkretes: Reishi hat die Zelle dazu animiert, zu einer Herzzelle zu werden - gezielt und spezifisch: Ein Herz im Miniaturformat.
Wie Reishi das möglich macht: ein Blick in die Entwicklungsbiologie
Um zu verstehen, warum diese Beobachtung so bedeutsam ist, muss man einen Schritt zurückgehen – in die frühe Entwicklung des Herzens.
Während der Embryonalentwicklung wird der Aufbau des Herzens durch spezielle Steuerungssysteme geregelt. Eines der wichtigsten ist der sogenannte "Wnt-Signalweg"
(ein biologisches Kommunikationssystem zwischen Zellen, das im Embryo festlegt, welche Zellen später Herz, Knochen oder Nervengewebe werden).
Im erwachsenen Organismus ist dieser Mechanismus weitgehend abgeschaltet. Das Herz braucht ihn im Normalfall nicht mehr – und genau deshalb kann es sich nach schweren Schäden kaum selbst reparieren.
Die Studie zeigt nun: Reishi aktiviert diesen Entwicklungsmechanismus gezielt und zeitlich begrenzt erneut. Das hat eine klare Folge:
- Zellen entwickeln sich zunächst zu kardialen Vorläuferzellen
(Zellen, die bereits eindeutig auf das Herz festgelegt sind, sich aber noch teilen können), - erst danach reifen sie zu voll funktionsfähigen Herzmuskelzellen aus.
Dass dieser Zusammenhang kein Zufall ist, zeigen gezielte Kontrollversuche. Wird der Wnt-Signalweg blockiert, verschwinden die beobachteten Effekte nahezu vollständig. Wird er gezielt aktiviert, lassen sich ähnliche Entwicklungen auch ohne Reishi anstoßen.
Das eigentlich Bemerkenswerte liegt jedoch eine Ebene tiefer.
Der Wnt-Signalweg gehört zu jenen biologischen Steuerungsprogrammen, die während der Embryonalentwicklung nur für einen sehr kurzen Zeitraum aktiv sind. In dieser Phase entscheidet sich, ob sich aus undifferenzierten Zellen Herzgewebe bildet, wie dieses angelegt wird und welche Zellen später die eigentliche Pumpfunktion übernehmen.

Nach Abschluss der Entwicklung wird dieses Programm im gesunden Organismus weitgehend abgeschaltet. Das erwachsene Herz greift im Normalfall nicht mehr darauf zurück – und genau das ist einer der Gründe, warum es verlorene Herzmuskelzellen kaum ersetzen kann.
Reishi wirkt in diesem Zusammenhang nicht wie ein dauerhafter Schalter, sondern wie ein zeitlich begrenzter Startimpuls. Er triggert einen Entwicklungsweg, den das Herz biologisch kennt, den es aber nach der Embryonalphase praktisch nicht mehr nutzt.
Dass ein Naturstoff diesen tief verankerten Mechanismus unter definierten Bedingungen erneut zugänglich macht, zeigt, dass Regeneration im Herzen nicht grundsätzlich unmöglich ist – sondern an sehr spezifische biologische Voraussetzungen geknüpft ist.
Vom Labor ins lebende Herz: Reishi im Herzinfarkt-Modell
So eindrucksvoll schlagende Zellen im Labor sind – entscheidend ist, ob sich dieser Effekt auch im lebenden Organismus zeigt. Dazu untersuchten die Forschenden Mäuse mit experimentell ausgelöstem Myokardinfarkt. Über zwei Wochen erhielten diese Tiere Reishi. Anschließend wurde die Herzfunktion mit Ultraschall gemessen.

Die Ergebnisse sind eindeutig:
- Die "Ejektionsfraktion" (der prozentuale Anteil des Blutes, den das Herz mit jedem Schlag aus der Hauptkammer auswirft – ein zentraler Maßstab für die Pumpleistung)
verbessert sich deutlich. - Auch das Fractional Shortening (ein Maß für die Kontraktionsfähigkeit der Herzwand) steigt signifikant an.
- Marker für Herzschädigung gehen zurück.
- Die Ausbildung von Narbengewebe (Fibrose) ist reduziert.

Besonders interessant ist die sog. Infarktrandzone – also jener Bereich zwischen gesundem und zerstörtem Gewebe. Genau dort zeigen Herzmuskelzellen unter Reishi-Einfluss wieder Zeichen von Zellteilung:
- Ki67 (ein Marker, der anzeigt, dass eine Zelle sich gerade vermehrt),
- phosphoryliertes Histon H3 (ein Marker für echte Zellteilung, nicht nur Vorbereitung).
Das Herz wird nicht „neu gebaut“. Aber es gewinnt ein Stück seiner biologischen Reparaturfähigkeit zurück.
Schutz als Voraussetzung für jede Regeneration
Neue Herzmuskelzellen können nur dann überleben, wenn das Umfeld stabil ist. Genau hier greifen aus anderen Studien bekannte Eigenschaften von Reishi.
Reishi wirkt:
- antifibrotisch (bremst die Bildung von Narbengewebe, das den Herzmuskel versteift),
- antioxidativ (reduziert schädliche Sauerstoffradikale, die Zellen zerstören können),
- entzündungshemmend (dämpft chronische Entzündungsprozesse im Herzgewebe),
- antiapoptotisch (verringert den programmierten Zelltod gesunder Herzmuskelzellen).

Diese Effekte sind keine Nebenerscheinungen. Sie schaffen erst die Voraussetzungen dafür, dass Regeneration überhaupt sinnvoll stattfinden kann.
Fazit
Die vorliegenden wissenschaftlichen Daten stammen überwiegend aus Zellkultur- und Tiermodellen. Daraus alleine lassen sich keine pharmakologischen Empfehlungen ableiten.
Dass Stammzellen im Labor wieder anfangen zu schlagen, ist aber auch kein spektakulärer Zufall. Es ist ein funktionelles Signal.
Deshalb empfände ich es als viel zu kurz gegriffen, würden wir diese Erkenntnisse ausschließlich als "Laborphänomen" abtun.
Auch müssen wir uns ernsthaft fragen, ob wir es uns aus einer westlichen Perspektive noch leisten können, mehrere tausend Jahre chinesische Erfahrungsmedizin zu ignorieren, nur weil standardisierte Dosierungen, Anwendungsdauer und Sicherheitsprofile (noch) nicht für jede einzelne Tierarten systematisch in klinischen Studien untersucht wurde.
Denn was sich aus der präklinischen Forschung sehr klar ableiten lässt, deckt sich bemerkenswert gut mit dem Ansatz der TCM und meinen klinischen Beobachtungen aus der Praxis: Reishi adressiert genau jene biologischen Prozesse, die bei chronischen Herzerkrankungen – auch bei tierischen Patienten – den Verlauf maßgeblich bestimmen.
In der praktischen Anwendung zeigt sich, dass Reishi Herzpatienten häufig stabilisiert, Belastungsspitzen abfedert und degenerative Verlaufsprozesse spürbar verlangsamen kann. Diese Effekte sind dabei nicht auf hochverarbeitete Formen beschränkt, sondern lassen sich auch unter Verwendung von Pulver beobachten.
Das ersetzt keine kardiologische Diagnostik, keine schulmedizinische Basistherapie und auch keine Notfallmedizin - das behauptet auch keiner.
Wir müssen jedoch die Perspektive ändern: Herzgesundheit ist nicht mehr ausschließlich eine Frage der Verlangsamung von Symptomen und Zerfall, sondern vielmehr sollte Therapie auf Prävention, biologischen Regenerationssteuerung und Reparaturfähigkeit zielen.
Genau hier ist Reishi besonders interessant – sowohl als vorbeugendes Mittel, als Akuttherapeutikum und auch als langfristig regulierender Begleiter bei chronischen Herzerkrankungen.